Woran ich arbeite
Mit dem Ziel, irgendetwas Größeres zu schreiben, hatte ich Mitte 2025 nachstehenden fantastischen Text begonnen. Es geht darum, wie Überlebende einer Katastrophe ihr Dasein gestalten.
Das Licht schien grün ins Schlafzimmer. Wilhelm kniff die Augen zusammen. Er öffnete sie, doch das Grün blieb. Claire lag schwer atmend neben ihm. Er tastete nach ihr. Jede Bewegung anstrengend, als läge er im Pool. Seltsam.
„Claire!“
Seine Frau öffnete die Augen. Blinzelte und wandte sich ihm zu. „Was ist denn? Kein Hahn hat gekräht. Lass uns schlafen, Wilhelm!“
„Es ist schon hell, Claire. … Aber so grün. Habe ich es mit den Augen?“
Claire richtete sich auf. Ihr Nachthemd klebte nicht wie sonst, wenn sie schweißgebadet erwachte. Das Dunkel ihrer Haut schien durch den weißen Leinenstoff, der um sie herum waberte.
„Träume ich?“
Claire stieß ihn an. „Nein, du bist neben mir. Aber die Welt ist bunt. Wir können zur selben Zeit doch nicht dasselbe träumen.“
„Und wenn doch?“
„Ich glaube nicht an Telepathie. Komm, lass uns schlafen!“ Sie drehte ihm unvermittelt den Rücken zu, schmiegte sich an und zog seine Hand zu sich auf die Brust.
Wilhelm ließ es sich gefallen. Doch kreisten seine Gedanken weiter um das seltsame Licht. Sein Blick fiel auf den Wecker auf dem Nachttisch. Beide Zeiger genau auf der Zwölf. Verwundert griff er danach, schüttelte ihn, horchte auf das Ticken. Nichts war zu hören. Kein Laut. Nur der große Zeiger kippte zur Sechs. Langsam, als bewege er sich durch Öl.
Nun ist auch der mechanische Wecker im Eimer.
Die digitalen Uhren hatten den Geist aufgegeben, als der große Sturm über das Land gefegt war. Seitdem hatten sie kein Fernsehen, der Computer und die Mobiltelefone starteten nicht mehr. Nur ein altes Kofferradio konnte er einschalten. Claire hatte es auf dem Dachboden gefunden. Und Wilhelm war geschickt genug, es an die Stromleitung anzuschließen. Doch gab es nichts zu hören.
Wilhelm ließ das grüne Licht keine Ruhe. Vorsichtig zog er seine Hand zurück und erhob sich. Wie bei der Wassergymnastik – so bewege ich mich, dachte er. Er schaltete das Radio ein. Nichts tat sich. Vielleicht ist ’was mit dem Kabel. Das schien in Ordnung zu sein. Jedenfalls so, wie er das beurteilen konnte. Trotzdem ließ sich das Licht nicht einschalten. Und der Kühlschrank blieb aus.
Die Sicherung!
Auch die war in Ordnung. Also das Rad. Es muss etwas mit dem Rad sein! Wilhelm wollte zur Tür hinaus. Schwer ging sie. Und etwas strömte hindurch. Das grüne Licht! Wilhelm stemmte sich dagegen. Er verlor den Halt, die Beine hoben sich, doch statt zu fallen, wie er es erwartet hatte, schwebte sein Körper in diesem verdammten Licht. Laufen ging nicht. Vergeblich mühte er sich. Schließlich klappte es mit Schwimmbewegungen. Wilhelm war in Form, so schaffte er die zwanzig Meter zum Bach Jasinka ohne Schwierigkeiten.
Die Vorräte würden im Gefrierschrank verderben. Er schwamm den Weg durch den einstigen kleinen Gemüsegarten. Als er ankam, erstarrte er. Das Wasserrad steckte fest. Nichts drehte sich. Das Wasser war nicht mehr flüssig, aber auch nicht fest. Schleim.